Sachsen-Anhalt hat seit der Wende einen langen Weg hinter sich mit gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen Herausforderungen. An verantwortlicher Stelle immer dabei: Jens Bullerjahn, Landtagsabgeordneter seit 1990, Mitglied des Haushaltsausschusses, Fraktionsvorsitzender, Fraktionsgeschäftsführer, als Finanzminister und stellvertretender Ministerpräsident zentrale Figur der großen Koalition. Ein Freund klarer Worte, ein Planer, ein Stratege, ein Entscheider.
Den Weg des Bergmannssohnes aus dem Mansfelder Land hätte man früher vielleicht als eine sozialdemokratische Musterkarriere bezeichnet. Sie folgte der Logik des gesellschaftlichen und politischen Wandels. Vieles wurde möglich 1989, weniges war gewiss.
Eine Kindheit wie viele
Aufgewachsen in Belleben bei Bernburg, die Mutter Sekretärin, vier Brüder, „eine unbeschwerte und glückliche Kindheit“, wie Bullerjahn heute sagt. Jugendweihe, Mitglied der FDJ, Lehre zum Elektromonteur, Dienst in der Marine. Auf einem Minensucher. „Als Vorbereitung auf die Politik war das aber nicht gedacht“, wie er heute schmunzelnd betont. Eher im Gegenteil: als die Stasi anrückt, verweigert er die Zusammenarbeit. „Ich hab´s ihnen schriftlich gegeben, das taten nicht viele.“Damit war der Berufswunsch Handelsmarine dann auch versperrt.
Stattdessen ab 1984 Ingenieurstudium in Magdeburg, drei Jahre später Einstieg als Elektroingenieur für Prozessautomatisierung ins Mansfeld-Kombinat. Familiengründung mit Ehefrau Kerstin in Ziegelrode (Mansfelder Land), zwei Söhne, beide heute im Studium.
„Zu DDR-Zeiten hätte ich mir nicht vorstellen können, einer Partei beizutreten. Ich war aber auch nie in der Kirche engagiert und kein aktiver Bürgerrechtler. Aber ich war ein aufmerksamer Beobachter. Wir haben zuhause und im Betrieb viele Debatten geführt. Das änderte sich 1989 dramatisch.“
Frieden, Gerechtigkeit – das hat Tradition im Mansfelder Land
Es war seine Frau Kerstin, die Bullerjahn zu Friedensgebeten in die Petrikirche der Lutherstadt Eisleben führte. Hier entstanden Kontakte, hier wurde über politische Ziele debattiert: Frieden, Gerechtigkeit – das hat Tradition im Mansfelder Land. Der Pfarrer gehörte zu den Gründungsmitgliedern der SDP. Er hatte Verbindung zu Oppositionellen, zu Runden Tischen, nach Berlin, Halle und Magdeburg. Und: er hatte ein Telefon.
Von da an ging alles sehr schnell: sozialdemokratische West-Verwandte brachten erste Papiere und Programme, in Eisleben konstituierte sich ein Runder Tisch, Demonstrationen, Auflösung der Stasi, Eintritt in die SDP. „Das war der Einstieg in die Politik. Ich wollte eine linke, demokratische Volkspartei; ich wollte am Aufbau des Landes mitwirken“, sagt Bullerjahn heute. Ortsvereinsvorsitz, Gemeinderat und Kreistag, 1991 Landtagskandidat eines der vom Strukturwandel am meisten gebeutelten Wahlkreise des Landes.
Zwanzig Jahre Parlament und Regierung
In zwanzig Jahren Parlament und Regierung habe er gelernt, dass man seine Vorhaben nicht mit dem Kopf durch die Wand durchsetzen könne, sagt Bullerjahn: „Man muss Mehrheiten gewinnen.“ In Partei und Fraktion, im Parlament in der Regierung, in Berlin und in Magdeburg. Vor allem: in der Bevölkerung. Der Finanzminister kennt die finanziellen Sorgen des Landes wie kaum ein anderer, hat in langen Jahren im Finanzausschuss gelernt, Haushaltspläne zu lesen wie andere Menschen Bücher. Er kennt die Grenzen des Machbaren und weiß, dass „machbar“ heute „finanzierbar“ heißt.
Projekt „Sachsen-Anhalt 2020“
Aus dieser Einsicht entstand in den Jahren 2002 und 2003 das Projekt „Sachsen-Anhalt 2020“. Verschuldung, Arbeitslosigkeit, Demographie forderten eine umfassende, auf die strategischen Ziele des Landes ausgerichtete, langfristige Ausrichtung. Dieser Vorschlag hat in allen politischen Lagern eine Debatte um eine verantwortungsvolle Zukunftspolitik in Sachsen-Anhalt ausgelöst. Das Projekt ging 2006 ein in den Koalitionsvertrag und in die Politik der Landesregierung der großen Koalition.
An diese strategische Ausrichtung hat sich die Landesregierung gehalten, die im Koalitionsvertrag vereinbarten Ziele sind inzwischen abgearbeitet. Die Landespolitik folgte dem Motto: Konsolidieren – Investieren – Vorsorgen. Nicht alles ist abgeschlossen, kann nicht abgeschlossen sein. „Aber auf den Erfolgen von heute können wir langfristig aufbauen.“
Das Land gemeinsam entwickeln
Bullerjahn geht es darum, nach vorne zu blicken, über die Legislaturperioden hinaus. Es geht darum, der Entwicklung des Landes eine solide Basis zu geben. Auf Dauer, für neue Generationen. Das geht alle an. Nicht nur die Politik. Manager und Banker, Verbände und Gewerkschaften, Schulen und Hochschulen. „Wir haben noch große Aufgaben vor uns, wenn wir das Land entwickeln und auf eigene Beine stellen wollen. Das schaffen wir nur gemeinsam.“
Fakten:
- geb. 15. Juli 1962 in Halle/Saale
- Elektroingenieur
- 1989 Eintritt in die SDP/SPD
- seit 1990 Mitglied des Landtages Sachsen-Anhalt
- 1993 bis 2004 Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion
- 2005 – 2009 Vorsitzender des Forum Ostdeutschland der Sozialdemokratie e.V.
- 2005 – 2007 stellv. SPD-Parteivorsitzender
- Seit 2009 stellv. Vorsitzender des Forum Ostdeutschland der Sozialdemokratie e.V.
- 2004 bis 2006 Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion
- seit 2006 stellv. Ministerpräsident und Finanzminister des Landes Sachsen-Anhalt


